Musik, die in keine Schublade passt,
erlebte ein überwiegend junges Publikum am Sonntagabend in der Evangelisch-Methodistischen Friedenskirche in Rodewisch. Zu Gast war die „Wild Roses Crew“ mit ihrem Programm "on the willows". Was sich nach einem amerikanischen Gospelchor anhörte, entpuppte sich als Musikformation aus Dresden, die Musik in afro-amerikanischer Tradition bot. Dabei waren Stimmen und Ausstrahlung durchaus vergleichbar. Die etwa 25 jungen Männer und Frauen aus den verschiedensten Berufen verbindet die Freude am Singen einer Musik, die den ganzen Körper fordert und bewegt. Dem Leiter des Ensembles gelang es, die einzelnen Stimmen in ihrer Klangfarbe zu unterstreichen und zu einem harmonischen Ganzen werden zu lassen. Das breite Repertoire von Rock, Soul, Gospel und Fun bekam durch die Bearbeitungen Matthias Thomsers eine ganz eigene Note. Schon der Name der Gruppe will das zum Ausdruck bringen. Die wilden Rosen stehen als Bild für die Eigenschaften ihrer Musik: stachelig, unzähmbar, natürlich, schön und doch mit wohltuenden, angenehmen Früchten. Die schwarz-rote Bekleidung der Sänger unterstrich das noch. Der Chor wurde 1988 von Mitgliedern des Universitätschores Dresden als „Gospel Train Dresden“ gegründet. Nachdem der Komponist und Schauspielmusiker Matthias Thomser die musikalische Leitung übernommen hatte, erweiterte sich das Repertoire in Richtung Rock und Soul bis hin zu Kompositionen mit sinfonischem Charakter. Klassische Elemente, jazzorientierte Rhythmik und harmonische Vielfalt zeichneten den eigenwilligen Stil des musikalischen Leiters aus und begeisterten die Zuhörer. Der Chor begann mit einem Lied aus dem Musical "Godspel" und endete mit einem irischen Reisesegen, nach dem Arrangement von Thomser.Dazwischen wurde das Publikum mitgenommen auf eine Wanderung durch die Jahrhunderte und Stilrichtungen. Ein Block mit Spirituals gab den Auftakt. Bei „Nobody knows the trouble i've seen“ konnte auch das Publikum mitsingen. Die „Mörderballade“ von Nick Cave nach Musik von Michael Thomser kann beispielhaft für den eigenwilligen Musikstil der Gruppe stehen: Ein Rap mit klassischen Elementen, begleitet von Violine, Cello, Querflöte, Piano und E-Gitarre. Nach der Pause zeigte der Chor wie mit Musik die unterschiedlichsten Gefühle zum Ausdruck kommen. In „Lady“ war es das Verliebtsein, bei „Another day“ von Paul McCartney die Eintönigkeit zu spüren, aber auch „I don't suffer“ von Diana Lehmann und wie schwer es ist zu verzeihen in „It's hard to say“ ließen das Publikum eigene Gefühle entdecken.. Die Vertonung von Psalm 137 von Thomser mit einem großen und einem kleinen Chor erinnerte an ein gewaltiges Bühnenwerk und gab als Höhepunkt dem Programm seinen Namen „On the willows“. Der Psalm erzählt von der Gefangenschaft des Volkes Israel in Babylon und vom Spott der Peiniger. Ohne Zugabe ließ das Publikum die Dresdner nicht abreisen. Auch hier zeigte sich das breite Spektrum ihres Könnens. Als zusätzliches Bonbon zum Abschied gab es „Holy Queen“ aus dem Film Sisteract und ein afrikanisches Lied begleitet von afrikanischen Trommeln. Der letzte Titel lautete „Im Paradies werden wir uns wieder sehen“. Das Publikum würde sich sicher schon vorher über ein weiteres Konzert der Crew freuen.
Margitta Rosenbaum (Vogtland Anzeiger, 11.06.2002)